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Zweiklassen-Arznei nicht nur in der Pollensaison

Für die Pollenallergiker in Deutschland herrscht schon seit Wochen Alarmstufe "Rot": Die Augen brennen und tränen, die Nase läuft und juckt. Die Heuschnupfen-Saison hat auch 2008 wieder voll zugeschlagen. Glücklich, wer da privat krankenversichert ist. Denn gerade bei den Medikamenten für Allergiker wird deutlich: es herrscht Zweiklassenmedizin in Deutschland. Ihren Privatpatienten darf Hausärztin und Allergologin Dr. Anne Vitzthum [sprich: Fitztum] aus Weinstadt bei Stuttgart von Anfang an neu entwickelte, hoch wirksame Medikamente verordnen. Die gesetzlich Versicherten müssen es erst mal mit den billigen Präparaten versuchen. Dazu Dr. Anne Vitzthum: "Beim Kassenpatienten sind wir verpflichtet, nachzuweisen, dass diese preisgünstigen Medikamente in einer bestimmten Zeit nicht wirken. Und erst dann können wir die neuen aufschreiben. Und in der Zeit ist die Pollensaison vorbei."

Kein Wunder, wenn die Kassenpatienten unter den Allergikern zum Teil versuchen, trotz aller Vorschriften an die "guten" Medikamente zu kommen. Dr. Vitzthum hat da so ihre Erfahrungen: "Es kommt schon vor, dass - sagen wir mal - vier Leute in einer Familie allergisch sind, und der Vater ist privatversichert und kriegt die feinen, teuren Mittel, die auch sehr gut wirken. Und dann merke ich, dass die Rezeptanforderungen dann höher werden für den Privatversicherten. Der nimmt eine Tablette pro Tag, da können nicht schon 60 weg sein. Und dann heißt es: "Das ist ne Familienpackung, wie nehmen's dann alle."

Bei den Allergie-Präparaten gilt wie bei allen Medikamenten: Wenn die Ärzte zu viel verordnen, droht ihnen ein Arzneimittel-Regress der Krankenkasse, das heißt: der betroffene Arzt muss das Medikament selbst bezahlen. Viele Kassenpatienten verstehen nicht, warum bei den Verschreibungen mit zweierlei Maß gemessen wird. Doch das Sozialgesetzbuch schreibt fest, dass gesetzliche Kassen nur bezahlen, was zweckmäßig, wirtschaftlich und ausreichend ist - also nicht etwa gut oder sehr gut, so die Kritik der Ärzte.

Die meisten Patienten sehen zwar ein, dass der Arzt an der Situation nicht die Schuld trägt. Trotzdem fühlt sich die erfahrene MEDI-Ärztin Dr. Anne Vitzthum ausgesprochen unwohl, und sagt: "Den schwarzen Peter bekommen wir ...." Dr. Anne Vitzthum weiter: "Ich selber bin seit 31 Jahren Arzt. So erbärmlich war es noch nie. Es wird rationiert, wir werden gezwungen zu rationieren. Und meistens tut das mir als Arzt weh."

Schließlich will Anne Vitzthum lieber ihren Patienten helfen, als sich permanent nur über die Kosten der Behandlung Gedanken zu machen. Umso mehr ärgert sie in der ganzen Spar-Diskussion, dass nach wie vor nur 15 Prozent aller Versichertenbeiträge für die Versorgung der Patienten in den Praxen niedergelassenen Ärzte ausgegeben werden. Dazu Dr. Anne Vitzthum: "Im Moment ist es ja so, dass die Kassen ein ganz erhebliches Plus haben. Und dieses Plus muss ankommen bei der Versorgung der Patienten und auch bei unserer Bezahlung, die ich auch nicht mehr adäquat finde. Aber ich sage bewusst die Reihenfolge: Dieses Geld muss bei der Versorgung der Patienten ankommen."

Dr. Anne Vitzthum vom Ärzteverbund MEDI Deutschland kritisiert das Zweiklassen-System bei der Verschreibung von Medikamenten: Immer wieder muss sie vor ihren Kassenpatienten rechtfertigen, warum sie nicht die gleichen Arzneimittel bekommen wie Privatversicherte.


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© MEDI Deutschland / (ots) news aktuell GmbH / Veröffentlicht am 17.03.2008