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Apothekenmarkt: Die Spreu wird sich vom Weizen trennen

Ursula Lindl, Geschäftsführerin Retail der Zur Rose Gruppe, zur aktuellen Situation im deutschen Apothekenmarkt. Der Geschäftsbereich Retail der Zur Rose Gruppe organisiert das Versandgeschäft der Apotheken Zur Rose und VfG, über das in Deutschland knapp 1 Million Kunden mit Medikamenten versorgt werden.

Gesundheit.de.cx: Frau Lindl, aktuell hat Schlecker den Markteintritt verschoben, wie ernst nehmen Sie trotzdem den Schlecker-Plan ins Apothekengeschäft einzusteigen?

Ursula Lindl: Natürlich nehmen wir den Vorstoß sehr ernst. Schlecker ist ein neuer Wettbewerber, der in Größe, Bekanntheit und Distribution alle anderen Player bei weitem übertrifft. Allerdings überrascht uns der bevorstehende Markteintritt nicht, er wurde ja mehrmals angekündigt und ist die Vorhut bzw. einer von vielen "Outsidern", die ihren Markteintritt direkt oder indirekt schon länger angekündigt haben. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Kunden/Patienten zu Schlecker so viel Vertrauen haben, dass sie auch ihren Bedarf an verschreibungspflichtigen Arzneimitteln über diesen Anbieter abwickeln. Schlecker als Apotheke zu identifizieren, ist gewöhnungsbedürftig. Hier ist vor allem die Beratung und die Medikamentensicherheit ausschlaggebend und damit die Qualifikation des Personals: Parameter, die Schlecker in der Vergangenheit eher vernachlässigt hat. Hier haben die zertifizierten Versandapotheken in Deutschland eine hohe Benchmark gesetzt.

Gesundheit.de.cx: Wer wird außerdem einsteigen?

Ursula Lindl: Wie gesagt, Hinweise, dass Drogeriemärkte, auch große Lebensmittelhändler, Pharmagroßhändler, sogar die Hersteller selbst ante portas stehen, gibt es in mehreren Varianten. Aber nicht jeder der Kandidaten wird sich als Gesundheitshändler und Apothekenprofi etablieren können. (Versand-)Apotheke ist weit mehr: es ist vor allem die Gesundheitsberatung, die Pharma-Compliance und -Kontrolle sowie die Zusammenarbeit mit Ärzten und Krankenkassen! Wir dokumentieren bei unseren Kunden über Jahre die Verordnungen und Medikamentenverkäufe, so dass wir mit unserem Team aus erfahrenen Apothekern und Assistentinnen als äußerst seriöse Ansprechpartner in allen Lebens- und Gesundheitslagen von unseren Kundinnen und Kunden geschätzt werden. Und nicht zu übersehen sind die strengen speziellen Auflagen und Kontrollen, die in Deutschland dieses Geschäft sehr kostenintensiv gestalten, so dass sich "Angreifer" strategisch und strukturell den Markteintritt gründlich überlegen müssen. Der Gesundheitsmarkt ist in aller Munde und perspektivisch attraktiv, aber nur hochprofessionell erfolgreich zu bedienen, so dass sich die Spreu vom Weizen nach der Markteroberungseuphorie noch trennen wird.

Gesundheit.de.cx: Wie wird sich der Marktanteil der Versandapotheken entwickeln?

Ursula Lindl: Ich bin überzeugt, dass die Versandapotheke weiterhin wachsen wird. Gegen alle noch vorhandenen, völlig unverständlichen Widerstände der etablierten Apothekerschaft ist dieses Businessmodell von den Kunden sehr erfolgreich angenommen worden, das zeigen die deutlichen Umsatzsteigerungen und die stetig wachsenden Kundenzahlen pro Jahr. Die Versandapotheke bietet als Dienstleister für den (chronisch kranken) Patienten und den Medikamentenmarkt eine Fülle von Mehrwert, den sie, da gesetzlich eingeschränkt, noch gar nicht umfassend ausschöpfen darf. Sie arbeitet sehr effizient, Kosten sparend, professionell und sicher, der Patient kann bequem telefonisch oder via Internet/online mit den Apothekern kommunizieren, und man sieht jederzeit ein aktuelles, preislich attraktives und qualifiziert abgestimmtes Sortiment in Breite und Tiefe.

Gesundheit.de.cx: Welche Schwierigkeiten haben künftige Markteinsteiger zu erwarten?

Ursula Lindl: Voraussetzung ist die ökonomische Professionalisierung der Branche. Der Erfolg liegt nicht nur in der Apothekenqualifikation, sondern auch im Marketing-, Distributions- und Logistik-Know-how. Apotheker, die das Geschäft aus dem Keller heraus betreiben, werden keine relevante Betriebsgröße entwickeln. Unternehmen, die bis heute nicht eine sechsstellige Zahl Kunden akquirieren konnten, werden es in Zukunft im zu erwartenden Wettbewerbsumfeld deutlich schwerer haben, das Business ohne entsprechendes Kapital und strategische Allianzen auszubauen. Neue Wettbewerber wie Schlecker und schätzungsweise kaum mehr als eine Hand voll der schon im Markt etablierten Versand-/Internetapotheken werden den Ausbau des Marktanteils deutlich vorantreiben.

Gesundheit.de.cx: Woran sind Vorstöße, den Apothekern Marktanteile abzunehmen, bisher gescheitert?

Ursula Lindl: Die Versandapotheken haben gegen eine Fülle von Reglements und rechtlichen Attacken sehr erfolgreich Marktanteile gewonnen. Leider können Versandapotheken aus Holland heraus rein rechtlich viel freizügiger in Deutschland agieren als die deutschen Unternehmen, was die Wettbewerbssituation verzerrt. Gescheitert ist das Vorhaben einiger Interessensvertreter der stationären Apotheker, das Versandmodell kaputtzureden. Spätestens nach Markteintritt durch Schlecker ist Multi Channel omnipräsent und auch das Bestreben gescheitert, darüber die Glasglocke der Branche zu stülpen. Als Branchenfremde vor einem Jahr gestartet, habe ich mich sehr gewundert, wie der Versandhandel als logische, synergetische Daseinsform zum stationären Geschäft derart kurzsichtig bekämpft wird, statt Allianzen zu bilden und über gemeinsame Marktchancen nachzudenken.

Die Zur Rose Gruppe in Zahlen und Fakten: Zur Rose wurde 1993 als Ärztegrossist gegründet und gehört in diesem Sektor heute zu den bedeutendsten Anbietern der Schweiz. Seit 2001 ist Zur Rose auch im Versand von Medikamenten tätig. In diesem wachstumsträchtigen Markt verfügt Zur Rose über eine führende Stellung in der Schweiz und in Deutschland. Das dritte Standbein der Gruppe bildet das über die Tochtergesellschaft Helvepharm betriebene Generikageschäft. In allen Tätigkeitsgebieten leistet Zur Rose einen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Medikamentenversorgung und zu tieferen Kosten im Gesundheitswesen. Neben dem Hauptsitz in Frauenfeld in der Schweiz hat die Zur Rose Gruppe Niederlassungen in Muri in der Schweiz, im deutschen Halle (Saale) sowie im tschechischen Ceskà Lipa. Die in der Business Unit Retail zusammengefassten Versandapotheken der Zur Rose Gruppe in der Schweiz und in Deutschland haben den Umsatz gegenüber dem Vorjahr verdoppelt auf CHF 216 Mio. (2006: CHF 109 Mio.). Das Versandgeschäft konnte damit das hohe Wachstumstempo der letzten Jahre aufrechterhalten und bedient mittlerweile rund 1,2 Millionen Kunden.


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© Apotheke Zur Rose / (ots) news aktuell GmbH / Veröffentlicht am 13.02.2008