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Hybrid-Operationen am Herzen senken Risiken

Viviane kam mit einer zu kleinen linken Herzkammer auf die Welt. Ingesamt zwei von drei aufwendigen Operationen hat das kleine Mädchen bereits direkt am Anfang ihres Lebens bewältigt. Dank eines ausgeklügelten Tricks konnten Ärzte am Bonner Universitätsklinikum eine später häufig auftretende Komplikation - eine Verengung am Aortenbogen - verhindern. Denn während der zweiten Herzoperation legten sie mittels Katheter einen nachdehnbaren Stent in die Körperschlagader. Über Möglichkeiten und Chancen so genannter Hybridoperationen diskutierten am Freitag, 16. Januar, Ärzte auf dem 8. Kinderherz-Symposium im Bonner Uni-Club.

Am Bonner Universitätsklinikum behandeln Kinderkardiologen und Kinderherzchirurgen Hand in Hand viele Neugeborene, Kinder und Jugendliche mit sehr komplexen angeborenen Herzfehlern. Um unter anderem das operative Trauma für diese oft sehr schwer kranken Patienten zu senken, haben sie möglichst schonende Eingriffe im Blick. Daher entwickelten sie auch so genannte Hybrid-Eingriffe - eine Kombination von Operation und Katheter-Intervention - weiter und konnten bei 29 kleinen Herzpatienten statistisch zeigen, dass diese Eingriffe Risiken senken können. So lassen sich oft auch komplexe Eingriffe im Mittel um 30 Minuten verkürzen. Bei etwa jedem dritten Baby konnte sogar auf eine Herz-Lungen-Maschine oder einen künstlichen Kreislaufstillstand durch tiefe Unterkühlung verzichtet werden - beides sehr belastend. "Auch werden durch Hybridoperationen bestimmte Eingriffe wie die Stent-Implantation bei Viviane überhaupt erst möglich", sagt Privatdozent Dr. Johannes Breuer, Direktor der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum Bonn.

Stent ist zu dick für feine Arterie

"Meine Tochter Viviane Sarah Joelle soll leben. Sie ist eine Kämpfernatur", macht sich Janine D. stark für ihr Kind. Insgesamt drei Operationen sollen dafür sorgen, dass Vivianes Herz-Kreislaufsystem später mit nur einer Herzkammer funktioniert. Denn das jetzt sechs Monate alte Mädchen ist mit einem so genannten hypoplastischen Linksherzsyndrom auf die Welt gekommen. Eine Woche nach der Geburt wurde in der ersten Operation unter anderem ihre extrem verengte Körperschlagader mit einem Flicken erweitert. "Doch dieses Fremdgewebe ist geschrumpft, und es kam zu einer erneuten Einengung der Aorta. Nur ein nachdehnbarer Stent kann eine spätere zusätzliche Operation verhindern", sagt Privatdozent Breuer. Doch ein solcher Stent ist viel zu dick, um bei einem Säugling durch die Leistenarterie mittels Katheter in den Aortenbogen platziert zu werden.

Doppelte Nutzung einer großen Öffnung

Daher wendeten die Bonner Ärzte bei Viviane einen Trick an: Im Alter von vier Monaten wurden bei ihr in einem zweiten Schritt Lungen- und Körperkreislauf operativ vollständig getrennt. Auch bei diesem Eingriff war der Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Der Zugang der Herz-Lungen-Maschine zur Körperschlagader ist in der Regel ziemlich groß. "So konnten wir dort erfolgreich einen Stent mittels Katheter implantieren, der bis in das Erwachsenalter nachdehnbar ist. Das war hier der Clou", sagt Privatdozent Breuer.

Nach einer Zeit der Sorgen und Ängste feierte Janine D. daheim mit ihrer Tochter deren erstes Weihnachten und Neujahr. "Es lohnt sich diesen schweren Weg zu gehen", sagt die 20-jährige Mutter. Sie möchte anderen Müttern Mut machen, eine solche Zeit mit ihren Kindern durchzustehen. Obwohl Viviane in etwa zwei Jahren noch eine Herzoperation bevorsteht, kann sie nun nach ihrem schwierigen Start ins Leben Kräfte sammeln und wachsen. "Viviane hat beste Aussichten, einmal ein fast normales Leben zu führen. Auf Leistungssport muss sie allerdings verzichten", sagt Privatdozent Breuer.



© Medicalpress.de / Universität Bonn / Veröffentlicht am 29.01.2009