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Säuglinge verfügen von Geburt an über ein funktionsfähiges Immunsystem

An Röteln oder Masern erkrankt man nur einmal im Leben. Man ist nach durchgemachter Krankheit immun: Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet frei, unberührt oder verschont. Höhere Lebewesen verfügen über ein ausgeklügeltes Abwehrsystem, mit dem der Organismus in der Lage ist, den „Dauerbeschuss“ mit Erregern abzuwehren. Bei vielen Erregern, vor allem Viren, genügt der einmalige Kontakt, damit eine dauerhafte Immunität aufgebaut wird. Schon früh in der Entwicklungsgeschichte haben Lebewesen ein Abwehrsystem entwickelt; einige Anteile davon haben sich so bewährt, dass sie auch heute noch Teil unseres Immunsystems sind. Zu dieser angeborenen Immunabwehr gehören Fresszellen und bestimmte Proteine, die quasi Löcher in die Membran von Mikroorganismen "bohren" können, damit diese absterben.

Das menschliche Immunsystem besteht aus Millionen Abwehrzellen (Leukozyten = weiße Blutkörperchen) und Molekülen, die auf verschiedene Weise wirken und sich gegenseitig regulieren. Die Abwehr von Krankheitserregern ist nur eine Aufgabe, ebenso werden entartete Zellen abgetötet oder auch abgestorbenes Gewebe beseitigt. Dies sind teilweise hoch-komplizierte Prozesse, deren Fehlregulation oder Störungen fatale Folgen haben kann.

Lymphozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, machen den spezifischen Anteil unseres Abwehrsystems aus. Man spricht dabei auch vom erworbenen Immunsystem. Diesen Zellen kommt die Aufgabe zu, Krankheitserreger oder Tumorzellen gezielt zu erkennen. Das heißt, ein bestimmter Lymphozyt ist zum Beispiel nur für das Masernvirus „zuständig“, ein anderer reagiert nur auf Keuchhustenbakterien, ein dritter gegen ein bestimmtes Grippevirus. Und da manche Erreger auch ihre Tricks haben, sich stetig verändern oder gleich von vornherein als mehrere verschiedene Typen vorkommen, ist unser Abwehrsystem immer wieder aufs Neue gefordert.

Faszinierend ist, dass Babys – vorausgesetzt sie sind gesund – schon mit einer funktionstüchtigen Abwehr zur Welt kommen. Säuglinge wissen sich also zu wehren, was sich beispielsweise an der Anzahl der weißen Blutzellen zeigt: Neugeborene besitzen deutlich mehr Leukozyten als Erwachsene. Zudem erhält das Kind in den ersten Monaten seines Lebens Starthilfe. Schon ab dem vierten Schwangerschaftsmonat werden mütterliche Antikörper gegen viele Krankheiten, welche die Mutter durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft ist, an das Kind weitergegeben. Am Ende des neunten Schwangerschaftsmonats liegen dann bestimmte Antikörpertypen (IgG) beim Kind sogar in höherer Konzentration vor als bei der Mutter. Frühgeborene bekommen allerdings weniger Antikörper übertragen und sind daher infektanfälliger.

Nach der Geburt nimmt das Kind weitere Antikörper durch die Muttermilch auf. Besonders die erste Milch (Kolostrum) ist sehr reich an Immunglobulin A (IgA). Diese Immunglobuline bleiben lange im Darm des Säuglings stabil und schützen ihn vor Darminfektionen. Andere Immunglobulintypen sind in deutlich geringeren Mengen in der Muttermilch vorhanden und werden außerdem im Darm abgebaut, so dass sie keinen Schutz vor Infektionen bieten können. Die von der Mutter übertragenen Antikörper werden ebenfalls im Laufe der Zeit abgebaut. Ein Tiefpunkt wird im sechsten Lebensmonat erreicht. Danach bildet das Kind zunehmend eigene Antikörper gegen die Keime, mit denen es in Kontakt kommt.

Wenn der mütterliche Schutz nachlässt, häufen sich die Infekte, vor allem solche der oberen und unteren Atemwege. Aber auch immer wiederkehrende fieberhafte Infekte, oft ohne erkennbare Ursache, sind nicht selten.

Bis zu zwölf solcher "banalen" Infekte im Jahr sind normal. Tatsächlich liegen nur in sehr seltenen Fällen Immunstörungen vor. Wenn das Kind chronisch krank ist, schlecht gedeiht, ungewöhnliche Infekte mit schweren Verläufen wiederholt auftreten und diese auch schlecht zu behandeln sind, bedarf das natürlich einer Abklärung. Sollte die Immunabwehr tatsächlich durch einen genetischen Fehler oder eine andere Ursache geschädigt sein, bietet rechtzeitiges Erkennen die Möglichkeit zur Therapie. Bei einigen Immundefekten kann dem Patienten relativ einfach mit Immunglobulinpräparaten, die große Mengen an Antikörpern enthalten, geholfen werden.


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© Deutsches Grüne Kreuz e. V. (DGK) / Veröffentlicht am 28.10.2007