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Zahnfleischentzündungen erhöhen das Risiko für eine Nierenerkrankung

Typ-2-Diabetiker mit einer unbehandelten Parodontitis - das heißt mit einer Entzündung des Zahnhalteapparates - entwickeln häufiger eine schwere Nierenerkrankung als Diabetiker mit gesunden Zähnen und gesundem Zahnfleisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie aus den USA.

Die Parodontitis oder Parodontose ist ein häufiger Befund beim Diabetes. Eine gute Mundhygiene und der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt sind deshalb in dieser Patientengruppe besonders wichtig. In den letzten Jahren wird verstärkt über einen direkten Zusammenhang zwischen der Parodontose bei Diabetikern und dem gehäuften Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen diskutiert. In verschiedenen Studien gingen ausgeprägte und wiederkehrende Zahnfleischentzündungen mit einer höheren Rate an Herzgefäßerkrankungen einher. Umgekehrt gibt es Hinweise, dass eine intensive Parodontosebehandlung – oder besser noch das Vermeiden von Zahnfleischproblemen durch eine gute Mundhygiene – möglicherweise das Herzkreislauf-Risiko senken kann. In einer aktuellen Studie aus den USA sind Wissenschaftler der Frage nachgegangen, ob die Parodontitis auch das Risiko für Nierenerkrankungen beeinflusst. Die diabetische Nephropathie, die bis zur Dialysepflicht und zum Nierenversagen führen kann, ist eine häufige Folgeerkrankung bei einem unzureichend eingestellten Diabetes und eng mit dem Auftreten von Herzkreislauf-Erkrankungen verknüpft.

In die Untersuchung wurden 529 Typ-2-Diabetiker aus dem US-Bundesstaat Arizona eingeschlossen und über einen Zeitraum von bis zu 22 Jahren beobachtet. Bei Studieneinschluss waren alle Teilnehmer mindestens 25 Jahre alt und wiesen noch keine Anzeichen für eine Nierenerkrankung auf. 20 Prozent der Patienten waren zu Beginn der Studie nicht oder nur ganz leicht von einer Parodontitis betroffen, 38 Prozent wiesen mäßig ausgeprägte Entzündungen am Zahnfleisch auf, 22 Prozent hatten eine schwere Parodontitis und die restlichen 20 Prozent waren Gebissträger.

Zum Ende der Beobachtungszeit wurde bei 193 Patienten eine Makroalbuminurie (= stärkere Eiweißausscheidung im Urin als Hinweis auf eine fortgeschrittene Nierenschädigung) und bei 68 Teilnehmern eine schwere Nierenerkrankung mit drohendem Nierenversagen dokumentiert. Nachdem die Wissenschaftler andere mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, Body-Mass-Index und Rauchen aus den Ergebnissen herausgerechnet hatten, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Parodontitis zu Studienbeginn und der Entwicklung einer Nierenerkrankung in den Folgejahren: Typ-2-Diabetiker mit Entzündungen des Zahnhalteapparates waren im Durchschnitt zweimal häufiger von Nierenschäden betroffen als Diabetiker mit gesunden Zähnen und Zahnfleisch. Insgesamt lag das Risiko für spätere Nierenschäden umso höher je ausgeprägter die Parodontitis zu Studienbeginn war.

Das Fazit der Autoren: Entzündungen im Mundraum können einen Einfluss auf den gesamten Körper haben. So ist bei Typ-2-Diabetikern mit Parodontitis das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Nierenschäden erhöht. Ob umgekehrt eine bessere Mundhygiene und die rechtzeitige Behandlung der Parodontitis das Risiko für eine spätere Nierenerkrankung senkt, muss in weiteren Studien geklärt werden.
 
Die Autorin, Dr. med. Anja Lütke, ist freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung. (Quelle: Shultis WA, Weil EJ, Looker HC et al. Effect of periodontitis on overt nephropathy and endstage renal disease in type 2 diabetes. Diabetes Care 2007; 30: 306-311)


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© Deutsches Grüne Kreuz e. V. (DGK) / Veröffentlicht am 04.11.2007